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Olmo Gölz über das Teilprojekt und sein Forschungsschwerpunkt
 
Herr Olmo Gölz hat sich in seiner im März dieses Jahres abgeschlossenen Promotion mit Maskulinitätskonfigurationen und urbaner Gewalt im modernen Iran auseinandergesetzt. Im Rahmen des Teilprojektes unter der Leitung von Frau Pink verfasst er nun innerhalb des Sonderforschungsbereichs seine Habilitationsschrift zu den Dynamiken des Heroischen im Iran-Irak-Krieg von 1980 bis 1988. Hierfür beleuchtet er die Entwicklung der beiden jungen Regime Iran und Irak sowie seiner Regenten Ruhollah Chomeini und Saddam Hussein. Es geht ihm dabei im Wesentlichen um die Frage, inwiefern der Krieg und die in diesem zum Tragen gekommenen Heroisierungsstrategien die beiden Herrschaftssysteme gestärkt und bis heute gefestigt haben.
 
 
Olmo Gölz: Mein Arbeitsvorhaben heißt "Dynamiken des Heroischen im Iran-Irak-Krieg". Im Kern steht die Feststellung und die Beobachtung, dass zwei junge Regime aufeinandertreffen. Saddam Hussein hat im Irak gerade die Macht übernommen, indem er als Vizepremier im Hintergrund es über Jahre hinweg geschafft hat, sich eine Machtbasis aufzubauen, die er dann nutzte, um den Präsidenten zu stürzen. Auf der anderen Seite hat 1978/79 zur selben Zeit die islamische Revolution in Iran stattgefunden und mit der islamischen Republik Iran ein neues System unter Leitung des Revolutionsführers Ruhollah Chomeini eingesetzt.
Meine erste These lautet, dass über die Beobachtung der Dynamiken des Heroischen im Iran-Irak-Krieg die Systeme paradigmatisch gefasst und erklärt werden können. Das bedeutet also, dass der Krieg für beide Seiten eine konsolidierende Funktion hatte. Auf iranischer Seite wird der Krieg selber sogar als Teil der Revolution bezeichnet. Die Revolution wäre somit sozusagen von 1978 bis 1988 zu verstehen.
Letztlich haben beide Seiten keine Gewinne erzielen können. Der Grenzverlauf ist genau derselbe wie vor dem Krieg und auf beiden Seiten ist ein hoher Verlust an allem zu verzeichnen, u.a. an Menschenleben, Material und an internationalem Standing. Es wurde also alles Mögliche verloren. Die Regime selber waren aber hinterher in den Landesgrenzen so gefestigt, wie wir sie heute kennen.
In Anbetracht der Dynamiken, die dieses Ergebnis bedingten, gehe ich davon aus, dass sich Diskurse zum Heroischen ebenso wie dämonisierende Diskurse jeweils gegenseitig bedingen. Wenn ich sage, was gut ist, behaupte ich gleichzeitig auch, was schlecht ist. Das heißt also, Heroisierungsdiskurse sind auch immer Abgrenzungsdiskurse. Über die Diskurse zum Heroischen sind also einige Aussagen zur Selbstwahrnehmung und zur Selbstpositionierung, wie auch zur Wahrnehmung des Gegners in der Öffentlichkeit fassbar zu machen.

 
In der Verdichtung des Krieges und somit des historischen Momentes, wo man um Einfachheit bemüht ist, sind all die Debatten, die sonst auf viel komplizierterem Wege stattfinden, deutlich dichter getaktet und folglich deutlicher herauszuarbeiten. Gerade auch, weil natürlich das Heroische ein entscheidendes Moment zur Mobilisierung des eigenen Volkes darstellt. Nicht nur, um die Reihen auf ideologischer Ebene zu schließen, sondern auch ganz explizit, um nun den Einzelnen an die Front zu bekommen. Hierzu braucht jeder Krieg Diskurse zum Heroischen.

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