Rilke 150 WS 25-26 (03) Eschenbach

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  • uploaded December 18, 2025

Dr. Gunilla Eschenbach (Deutsches Literaturarchiv Marbach a.N.)
Rilke zeichnet

Rilke galt bislang als Textkünstler. Doch der junge Rilke wurde durch das Zeichnen zum Künstler. Schon als Vierjähriger schuf er zeichnend eigene Welten, noch lang vor der Phase des Schriftspracherwerbs. Der spätere Autor ließ sich oft von visuellen Eindrücken leiten. Er kombinierte in seinen Notizbüchern Text und Bild und hielt flüchtig skizzierend fest, was ihn faszinierte: eine Blume, ein Kunstwerk, der Flug einer Taube. In den Beständen des Deutschen Literaturarchivs sind heute etwa 320 Zeichnungen Rilkes überliefert; 200 davon in Notizbüchern, viele weitere als Einzelblätter, einige wenige in Briefen oder in Büchern. Seine bislang unbekannten Zeichnungen zeigen ihn als einen multimedial arbeitenden Künstler. Den Autor Rilke gäbe es ohne den Zeichner Rilke nicht, aber der Autor Rilke wollte das verschweigen, womöglich, um dem Bild in seinem bildhaften Schreiben Raum zu geben.

Referent/in:

Dr. Gunilla Eschenbach (Deutsches Literaturarchiv Marbach a.N.)