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00:00:01.125 --> 00:00:05.562
DIE SPÄTBRONZEZEITLICHEN KRIEGERSTELEN VON
SABUGAL

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00:00:12.979 --> 00:00:15.422
Wir befinden uns in der Gemeinde von Sabugal.

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00:00:16.100 --> 00:00:20.149
Vor 3000 Jahren bewohnten hier, in der Spätbronzezeit,

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00:00:20.689 --> 00:00:24.704
verschiedene Gemeinschaften die Hochlagen.

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00:00:25.431 --> 00:00:28.382
Von hier aus kontrollierten sie ein an Bodenschätzen
reiches Gebiet,

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00:00:28.762 --> 00:00:30.864
das sich von Malcata aus nach Norden erstreckt,

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00:00:31.090 --> 00:00:33.227
wo der Fluss Coa entspringt.

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00:00:35.247 --> 00:00:38.789
Neben Kupfer wurde hier hauptsächlich Zinn
abgebaut.

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00:00:39.306 --> 00:00:41.325
Diese Ressourcen waren selten

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00:00:41.518 --> 00:00:44.108
in der Zeit, als die Produktion

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00:00:44.260 --> 00:00:46.572
von Bronzelegierungen zunahm.

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00:00:47.004 --> 00:00:49.549
Deshalb wurde ihnen, besonderer Wert beigemessen.

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00:00:51.170 --> 00:00:52.895
Mit ihrer Fülle an Erzen

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00:00:53.176 --> 00:00:56.738
scheinen Sabugal und Regionen wie Beira Interior

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00:00:57.113 --> 00:00:59.922
auch andere Gemeinschaften

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00:01:00.000 --> 00:01:04.000
aus weiter entfernten Gegenden angezogen zu
haben.

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00:01:05.000 --> 00:01:07.000
Die archäologischen Ausgrabungen

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00:01:07.000 --> 00:01:09.000
in diesen Siedlungen am Alto Côa

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00:01:10.000 --> 00:01:12.000
liefern Hinweise auf die Lebensbedingungen

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00:01:13.000 --> 00:01:15.000
dieser agropastoralen Gemeinschaften,

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00:01:15.000 --> 00:01:18.000
die sich in ihrer Umgebung bestens auskannten.

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00:01:19.000 --> 00:01:22.000
Neben Keramik und Steinwerkzeugen

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00:01:22.000 --> 00:01:26.000
nutzten die Menschen verschiedene Bronzeartefakte.

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00:01:26.000 --> 00:01:27.000
Wie diesen Meißel,

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00:01:27.000 --> 00:01:30.000
der von den Ausgrabungen in Sabugal Velho stammt.

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00:01:31.000 --> 00:01:34.000
Dieses Beil aus Souto

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00:01:36.000 --> 00:01:40.000
oder diese Fibel aus Alfaiates.

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00:01:41.000 --> 00:01:45.000
Diese Gegenstände könnten aus entfernten
Regionen stammen

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00:01:45.000 --> 00:01:48.000
oder direkt vor Ort hergestellt worden sein,

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00:01:48.000 --> 00:01:50.000
wie wir es bei manchen dieser Funde wissen.

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00:01:50.000 --> 00:01:52.000
Zum Beispiel diese Schmelztiegel,

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00:01:52.000 --> 00:01:55.000
die ebenfalls aus Sabugal Velho stammen.

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00:01:56.000 --> 00:01:58.000
Oder diese zweischaligen Gussformen,

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00:01:59.000 --> 00:02:01.000
aus den Festungen

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00:02:01.000 --> 00:02:02.000
von Sortelha oder Vilar Maior

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00:02:04.000 --> 00:02:07.000
sowie diese Barren und Gussstifte.

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00:02:08.000 --> 00:02:11.000
All dies hatte Einfluss

38
00:02:12.000 --> 00:02:15.000
auf die soziokulturelle Entwicklung dieser
Gemeinschaften.

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00:02:19.000 --> 00:02:23.000
In diesem Gebiet  wurden verschiedene Stelen

40
00:02:23.000 --> 00:02:25.000
aus Granit und Grauwacke errichtet,

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00:02:26.000 --> 00:02:27.000
die im Volksmund auch

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00:02:27.000 --> 00:02:29.000
Kriegerstelen genannt werden.

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00:02:30.000 --> 00:02:31.000
Sie zeigen einige Bronzeartefakte,

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00:02:32.000 --> 00:02:35.000
die das Ansehen und den Rang derjenigen repräsentieren,

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00:02:36.000 --> 00:02:39.000
die sie formten oder aufstellten.

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00:02:39.000 --> 00:02:40.000
Es ist denkbar,

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00:02:41.000 --> 00:02:43.000
dass die Stelen deshalb mit Gravuren versehen

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00:02:44.000 --> 00:02:45.000
und in Steinkonstruktionen

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00:02:45.000 --> 00:02:48.000
vor den Siedlungen ausgestellt wurden.

50
00:02:49.000 --> 00:02:52.000
Was bewegte diese Menschen dazu,

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00:02:52.000 --> 00:02:55.000
mühevoll Granitblöcke zu transportieren,

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00:02:55.000 --> 00:02:57.000
sie in die richtige Form zu bringen

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00:02:58.000 --> 00:03:00.000
und eine glatte Oberfläche zu schaffen,

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00:03:00.000 --> 00:03:02.000
auf der die ikonografischen Darstellungen

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00:03:03.000 --> 00:03:06.000
metallischer Gegenstände eingraviert wurden?

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00:03:08.000 --> 00:03:11.000
Waren es Markierungen für die Grabstätten
der Gemeinschaften

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00:03:12.000 --> 00:03:14.000
oder für die Grabhügel ihrer Oberhäupter?

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00:03:16.000 --> 00:03:18.000
Wurden sie an den Gebietsgrenzen,

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00:03:19.000 --> 00:03:21.000
an den Hauptverkehrsachsen

60
00:03:22.000 --> 00:03:24.000
oder am Eingang  der Siedlungen aufgestellt,

61
00:03:25.000 --> 00:03:26.000
um den Reichtum

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00:03:27.000 --> 00:03:28.000
dieser Gemeinschaften zu verkörpern

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00:03:29.000 --> 00:03:30.000
und dienten sie gleichzeitig

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00:03:30.000 --> 00:03:35.000
als Legitimierungselemente der eigenen Identität?

65
00:03:36.000 --> 00:03:38.000
Ein vollständiges Verständnis

66
00:03:38.000 --> 00:03:41.000
dieser protohistorischen kulturellen Ausdrucksform

67
00:03:41.000 --> 00:03:42.000
auf der westlichen  Iberischen Halbinsel,

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00:03:42.000 --> 00:03:44.000
die für die Bewohner des Gebiets

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00:03:45.000 --> 00:03:48.000
zwischen dem Inneren der Beiras

70
00:03:48.000 --> 00:03:50.000
und Andalusien so charakteristisch ist,

71
00:03:50.000 --> 00:03:53.000
konnte bisher nicht vollends erreicht werden.

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00:03:53.000 --> 00:03:55.000
Womöglich wird es auch nie dazu kommen.

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00:03:56.000 --> 00:03:58.000
So stark unterscheiden sich

74
00:03:58.000 --> 00:04:01.000
die Denkweisen der heutigen Forscher

75
00:04:01.000 --> 00:04:03.000
von denen jener Gemeinschaften.

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00:04:04.000 --> 00:04:07.000
Deshalb wird nach Antworten

77
00:04:07.000 --> 00:04:09.000
auf diese Fragen gesucht.

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00:04:10.000 --> 00:04:13.000
Die Gemeinde Sabugal gehört zu den portugiesischen
Regionen

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00:04:13.000 --> 00:04:15.000
mit den meisten Funden dieser Art.

80
00:04:16.000 --> 00:04:18.000
Neben der Grauwackestele von Meimão,

81
00:04:18.000 --> 00:04:21.000
die vor Jahren in der Serra da Malcata gefunden
wurde,

82
00:04:21.000 --> 00:04:24.000
unweit der Gemeindegrenze von Penamacor und
Sabugal,

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00:04:25.000 --> 00:04:28.000
verfügen wir über Funde aus den 1980er Jahren:

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00:04:29.000 --> 00:04:31.000
Die erste Granitstele von Baraçal

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00:04:31.000 --> 00:04:33.000
und die Grauwackestele von Fóios.

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00:04:42.000 --> 00:04:45.000
Erst kürzlich konnte durch die Öffentlichkeitsarbeit

87
00:04:45.000 --> 00:04:47.000
des Museums von Sabugal

88
00:04:47.000 --> 00:04:50.000
unsere Sammlung um zwei Funde ergänzt werden:

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00:04:51.000 --> 00:04:53.000
Die zweite Granitstele von Baraçal

90
00:04:53.000 --> 00:04:55.000
und diese Stele aus Aldeia Velha.

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00:04:55.000 --> 00:04:57.000
Diese ist die größte von allen.

92
00:05:13.000 --> 00:05:15.000
Angesichts der vielen offenen Fragen

93
00:05:15.000 --> 00:05:18.000
im Zusammenhang mit den spätbronzezeitlichen
Stelen

94
00:05:19.000 --> 00:05:23.000
organisierte ein Forscherteam der Universität
Freiburg,

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00:05:23.000 --> 00:05:26.000
in Zusammenarbeit mit dem Institut für Archäologie

96
00:05:26.000 --> 00:05:29.000
der Universität Coimbra,

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00:05:29.000 --> 00:05:32.000
in der Gemeinde von Sabugal

98
00:05:32.000 --> 00:05:33.000
ein Studienprojekt

99
00:05:34.000 --> 00:05:37.000
zu den Herstellungsprozessen dieser Monumente.

100
00:05:39.000 --> 00:05:41.000
Diese Forscher mit diversen Spezialisierungen

101
00:05:42.000 --> 00:05:44.000
richteten eine Werkstatt ein,

102
00:05:44.000 --> 00:05:47.000
wo sie Experimente zur Replikation

103
00:05:47.000 --> 00:05:49.000
dieser Steinmonumente durchführten.

104
00:05:50.000 --> 00:05:54.000
Dazu nutzten sie einen Schulhof in der Gemeinde
Baraçal.

105
00:05:54.000 --> 00:05:58.000
Dort befinden sich zwei interessante Exemplare,

106
00:05:59.000 --> 00:06:03.000
die von der Bevölkerung seit Jahrzehnten geschätzt
werden

107
00:06:03.000 --> 00:06:07.000
und sogar im Ortswappen zu finden sind.

108
00:06:09.000 --> 00:06:12.000
Besondere Beachtung kam hier der geologischen
Komponente zu.

109
00:06:13.000 --> 00:06:17.000
Die Stelen wurden zunächst einer mikroskopischen
Analyse unterzogen

110
00:06:18.000 --> 00:06:21.000
und anschließend  die umliegenden Gebiete

111
00:06:21.000 --> 00:06:23.000
von Baraçal und Fóios untersucht.

112
00:06:24.000 --> 00:06:28.000
Anhand der petrographischen Merkmale des Gesteins

113
00:06:29.000 --> 00:06:32.000
wurde nach den möglichen Stellen gesucht,

114
00:06:32.000 --> 00:06:33.000
wo die Menschen vor 3000 Jahren

115
00:06:34.000 --> 00:06:37.000
die geeignetsten Granit- und Grauwackeblöcke
auswählten,

116
00:06:37.000 --> 00:06:41.000
um sie mit den gleichen ikonographischen Motiven

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00:06:41.000 --> 00:06:42.000
dieser Stelen zu versehen.

118
00:06:47.000 --> 00:06:50.000
Die Forscher wiederholten die alten Herstellungsverfahren.

119
00:06:50.000 --> 00:06:53.000
Sie fertigten Bronzemeißel an

120
00:06:53.000 --> 00:06:56.000
und nutzten handwerkliche Gussverfahren.

121
00:07:00.000 --> 00:07:03.000
Bearbeiten wir den Meißel, solange er noch
heiß ist,

122
00:07:04.000 --> 00:07:07.000
wird er wie der prähistorische Meißel, den
ich euch im Museum gezeigt habe.

123
00:07:08.000 --> 00:07:12.000
Sie wählten kleine Stücke unterschiedlicher
Gesteinsarten

124
00:07:12.000 --> 00:07:14.000
mit widerstandsfähigen Eigenschaften aus,

125
00:07:15.000 --> 00:07:16.000
um daraus exakte Nachbildungen

126
00:07:17.000 --> 00:07:20.000
alter Steinhämmer und -meißel zu kreieren.

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00:07:22.000 --> 00:07:25.000
Sie nutzten diese Werkzeuge,

128
00:07:25.000 --> 00:07:28.000
die sie nach den  alten Verfahren herstellten,

129
00:07:29.000 --> 00:07:32.000
um anhand derselben Techniken, mit Hammer und
Meißel,

130
00:07:32.000 --> 00:07:36.000
die Waffen und Gegenstände einzugravieren,

131
00:07:36.000 --> 00:07:39.000
die auf den Sabugal-Stelen abgebildet sind.

132
00:07:39.000 --> 00:07:42.000
Das Problem bei diesem Material

133
00:07:42.000 --> 00:07:45.000
sind die Risse im Quarzgestein.

134
00:07:47.000 --> 00:07:50.000
Bevor ich den Stein am Holz befestige,

135
00:07:51.000 --> 00:07:56.000
werde ich ihn auf Stein testen.

136
00:07:57.000 --> 00:07:59.000
Jetzt lassen wir das Ganze

137
00:07:59.000 --> 00:08:02.000
einen halben Tag in der Sonne trocknen.

138
00:08:02.000 --> 00:08:05.000
Zum Entfernen der Korrosionsschicht

139
00:08:05.000 --> 00:08:08.000
wird der Stein poliert und dann verziert.

140
00:08:09.000 --> 00:08:11.000
Die traditionelle Vorgehensweise

141
00:08:11.000 --> 00:08:15.000
ist langsam und meditativ.

142
00:08:15.000 --> 00:08:20.000
Ursprünglich wurden Quarzsteine als Werkzeug
verwendet.

143
00:08:22.000 --> 00:08:26.000
Wir beginnen mit dem Einpicken der Linien.

144
00:08:32.000 --> 00:08:35.000
Dann wird die Gravur mit dem Quarzkristall

145
00:08:36.000 --> 00:08:39.000
nachgezogen und verstärkt.

146
00:08:40.000 --> 00:08:42.000
Diese beispiellose Initiative

147
00:08:43.000 --> 00:08:45.000
brachte überraschende Ergebnisse,

148
00:08:46.000 --> 00:08:48.000
denn sie geben Aufschluss darüber,

149
00:08:48.000 --> 00:08:51.000
wie viel Zeit die Gravuren in Anspruch nahmen,

150
00:08:51.000 --> 00:08:54.000
wie viele Menschen beteiligt waren,

151
00:08:54.000 --> 00:08:58.000
welche Gravurtechniken für die Motive herangezogen
wurden

152
00:08:59.000 --> 00:09:01.000
und welche zusätzlichen Aspekte

153
00:09:01.000 --> 00:09:04.000
es bei dieser Arbeit zu beachten galt.

154
00:09:05.000 --> 00:09:07.000
Indem wir die Region auskundschafteten,

155
00:09:08.000 --> 00:09:09.000
das Rohmaterial sammelten

156
00:09:10.000 --> 00:09:13.000
und die Arbeitsweise unserer Vorfahren nachahmten,

157
00:09:13.000 --> 00:09:17.000
wollten wir zur Erweiterung der Kenntnisse

158
00:09:17.000 --> 00:09:19.000
über Kriegerstelen beitragen.

159
00:09:20.000 --> 00:09:23.000
Und das auf einzigartige Weise.

160
00:09:24.000 --> 00:09:26.000
Wir wollten uns der Herstellung dieser Steinbilder

161
00:09:26.000 --> 00:09:30.000
der aufgebrachten Mühe und dem eingesetzten
Wissen

162
00:09:30.000 --> 00:09:33.000
dieser Gemeinschaften annähern.

163
00:09:35.000 --> 00:09:38.000
PROJEKTLEITER: RALPH ARAQUE GONZÁLEZ

164
00:09:40.000 --> 00:09:44.000
STEINMETZARBEITEN UND GRAVUREN: GIUSEPPE VINTRICI

165
00:09:45.000 --> 00:09:48.000
ARCHÄOMETALLURGIE: BASTIAN ASMUS

166
00:09:50.000 --> 00:09:53.000
STEINWERKZEUGE: MICHAEL KEISER

167
00:09:55.000 --> 00:09:58.000
LANDSCHAFTSARCHÄOLOGIE: PEDRO BAPTISTA

168
00:09:59.000 --> 00:10:03.000
Übersetzung und Untertitel: Rocío Bargon
Sánchez

169
00:10:05.000 --> 00:10:10.000
GEOLOGIE: PROF. RAFAEL FERREIRO MÄHLMANN,
TU DARMSTADT

