Freiburger Wintervorträge WS 20.21 05 Reinhard

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  • hochgeladen 24. November 2020

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Reinhard (Historisches Seminar)
Max Weber oder das Scheitern an der Religion

Der Weltruhm Max Webers geht langsam, aber deutlich zurück. An seinem Lebensthema, der Bedeutung der Religion für die moderne Welt, ist er langfristig gescheitert. Das gilt nicht nur für seine Protestantismus-These, sondern auch für den aufwändigen Versuch, die These durch Vergleich mit anderen Weltreligionen auszuweiten und abzusichern. Er landet dabei in der kolonialistischen Orientalismus-Falle, indem er beweist, was er zuvor vorausgesetzt hatte. Umgekehrt wussten und wissen Vertreter anderer Religionen das protestantische Christentum zur Modernisierung ihrer eigenen Kulturen „auszuschlachten“. „Das Empire hat zurückgeschlagen“. Auch Karl Jaspers’ post-koloniale Alternative zu weltanschaulicher Kommunikation auf gleicher Augenhöhe im Zeichen einer „Achsenzeit“ ist ebenfalls gescheitert. Der viel berufene Aufschwung der Religionen besteht global gesehen in pluralistischer Beliebigkeit, die den Charakter von Religion überhaupt verändert hat. „Transzendenz“ ist immanent geworden. Unsere Religion ist längst nicht mehr diejenige Max Webers.

Referent/in:

Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Reinhard (Historisches Seminar)


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